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Interview mit Markus Braun a.k.a. The old Fuck!

Servus liebe Leserin und lieber Leser, letzte Woche hat mein Kumpel "Consti" einen super interessanten Blogartikel auf diesem Blog veröffentlicht. Das Thema war "Bin ich zu alt für Calisthenics?". Über diesen Artikel haben viele Leute diskutiert und somit dachte ich, dass ich einfach mal den wahrscheinlich stärksten und ältesten Calisthenics Athleten zu Wort kommen lasse.

Viel Spaß bei dem Interview mit Markus Braun a.k.a. The old Fuck!

 

Hallo Markus, vielen Dank, dass du dir für das Interview die Zeit genommen hast und den Lesern beweist, dass das Alter nur eine Zahl ist. Stell dich den Lesern doch bitte mal vor. 

 

Hallo, ich bin 57 Jahre alt und komme aus Marktredwitz in Bayern. Mit Calisthenics habe ich vor ca. 12 Jahren begonnen, da hieß es noch Street Workout oder Ghetto Workout.

 

Woow vor 12 Jahren hast du mit Calisthenics begonnen?! Dann warst du auf jeden Fall einer der ersten in Deutschland, die diesen Sport betrieben haben. Damals hieß es noch Street Workout, meintest du. Was ist denn heute deine Definition von Calisthenics?

 

Sich mit Freunden zum trainieren treffen, viel Spaß haben und sich gegenseitig zu unterstützen. Ich liebe es, wenn einer aus der Gruppe einen Fortschritt macht und von allen anderen dafür gefeiert wird. Das ist ein riesiger Unterschied zum Fitness oder Bodybuilding, da interresiert sich kein Mensch für deine kleinen Erfolge. Da findet sich höchstens einer der sagt ich kann doppelt soviel Gewicht nehmen als du.

 

Wie bist du auf Caisthenics aufmerksam geworden und warum hast du damit angefangen?

 

Als die ersten Videos der Bartendaz aus New York auf YouTube auftauchten habe ich begonnen. Vor allem haben mich die stylischen Moves gereizt. 

 

Die stylischen Skills sind definitiv ein Aushängeschild für unseren Sport. Was mich interessieren würde ist, wie du mit Calisthenics angefangen hast  und was deine ersten Skills waren, die du gelernt hast?

 

Am Anfang habe ich Calisthenics 2-3 mal die Woche an mein Fitnesstraining hinten angehängt. Die ersten Moves waren Typwriter  und Archer Pullups danach Frontlever. Der Frontlever viel mir verhältnissmäsig leicht, es war ja auch keiner da der mir sagte wie schwierig das ist. Dazu sollte man aber wissen, dass es zu der Zeit als ich anfing noch keine Tutorials gab. Ich trainierte einsam vor mich hin, nur die Videos von den Leuten aus New York als Vorbild.

 

Wie oft trainierst du heute pro Woche und was sind deine sportlichen Ziele?

 

Ich trainiere 6 mal die Woche für 2 Stunden. Meine Ziele sind eine gute Lebensqualität bis ins hohe Alter zu haben. Turne bis zur Urne ist so ein Spruch der mir im Gedächtnis hängen blieb. Natürlich arbeite ich an einer perfekten Planche und dem einarmigen Frontlever. In meinem Alter sollte man sich aber dafür einen großzügigen Zeitraum einplanen und vor allem sein eigenes Tempo finden.

 

Bedienst du dich an anderen Trainingsformen, um dein Calisthenics Training zu ergänzen? Wenn ja, welche und warum?

 

Im Winter mache ich mein Calisthenics Training im Fitnesstudio, da kommt es schon mal vor, dass ich ein Gewicht in die Hand nehme. Das ist aber nur so ein Ego Ding. Es macht die Leute im Studio  irre, wenn du immerzu ohne Gewicht trainierst und dann mal eben mit 50 Kg in jeder Hand Bankdrücken machst.

Ich werde sehr oft gefragt ob ich geturnt habe. Ich war während meiner gesamten Schulzeit vom Sport befreit und habe nie geturnt. Mein erster Sportkontakt war mit 20 Jahren, da habe ich 6 Jahre lang im Fitnessstudio trainiert. Mit mitte 30 hab ich mit Badminton angefangen, was für 12 Jahre meine Leidenschaft war. Danach Fitness und Calisthenics. 

 

Das ist schon sehr beeindruckend! Was sind die wichtigsten Dinge, die dich der Sport gelehrt hat?

 

Du kannst nichts erzwingen und nicht jeder Tag ist gleich. Menschen die Ziele haben und daran arbeiten sind ausgeglichen, sie regen sich nie über unwichtige Kleinigkeiten auf.

 

Was machst du nur für dich?

 

Calisthenics, denn wenn du es nicht für dich machst, sondern für die Leute die zusehen, kannst du anstatt zu trainieren, genauso gut Cappuccino trinken gehen.

 

Viele Menschen nutzen das Alter als Ausrede, um keinen Sport zu machen. Du bist das beste Beispiel, dass es möglich ist, auch im etwas höheren Alter, absolute Bestleistungen zu erzielen. Was würdest du aus deiner Erfahrung sagen, wird im Alter schwerer, oder sogar leichter? Gibt es da Aspekte, mit denen du dich rumschlagen musst? Wenn ja, wie gehst du damit um?

 

Sport treiben mit jungen Leuten hält einen auch im Kopf  fit. Viele haben Angst einfach mitzumachen, denken immer sie müssten schon was können. Dabei ist es im Calisthenics immer so, dass dich alle unterstützen, ich habe in den ganzen Jahren noch nie negative Erfahrungen gemacht. Mit uns trainerte mal einer für ein Jahr, er war Mitte 40, hatte weit über 100kg. Er sagte mir nach ein paar Monaten, ich habe schon viele Sportarten ausprobiert, aber ihr seid die Einzigen, die mich nie wegen Gewicht oder Leistung dumm angemacht haben, ihr habt mich immer unterstützt. Leider ist er weggezogen.

Zu den Belastungen kann ich nur sagen, viel Basics, auch gerne mit Gummiband und viel Training mit den Ringen. Man muß sein eigenes Tempo gehen, sich nicht treiben lassen, dann kommen auch die härteren Moves, das dauert zwar, aber der ältere Mensch ist ja geduldig. 

 

Markus, DAS ist die beste Werbung für unseren Sport, die man haben kann! Deine Worte inspirieren und motivieren mich jetzt schon! Was mich noch interessieren würde ist, was ist dein größtes sportliches Erfolgserlebnis?

 

Im Jahr 2014 habe ich das erste Mal ein Calisthenics Worldcup Turnier in Stuttgart besucht. Ich war total begeistert, was die auf die Bühne gezaubert haben. Nach dem offiziellen Teil durfte jeder auf der Bühne zeigen was er drauf hat. Ich habe die Chance ergriffen  und alle sind ausgeflippt als ich mit einem Frontlever eingestiegen bin. Alle die am Wettkampf teilnahmen haben mich danach abgeklatscht und ihre Wertschätzung zum Ausdruck gebracht. Meine Frau sagt heute noch, ich hatte ein zweitägiges Dauergrinsen. Das war auch der Auslöser, seither mache ich nur noch Calisthenics.

Auf der FIBO durfte ich auch bei der Show mitmachen. Auch bei der Eröffnungsshow für die Deutsche Meisterschaft hab ich mitgemacht. (Einer muß ja den Altersdurchschnitt nach oben treiben ;))

 

Hammer, das Gefühl kann ich gut nachvollziehen! So, kommen wir zum Schluss. Welchen Tipp würdest du den Lesern mitgeben, die mit Calisthenics anfangen möchten?

 

Schließt euch einer Gruppe an und traut euch. Es gibt viele technische Sachen, die man alleine nur schwer hinbekommt, eine Verletzung will keiner riskieren.  Fehler in der Technik hinterher wieder zu korrigieren ist sehr zeitaufwendig und schwierig.

 

Verrate zum Schluss doch noch, wo man dich in den sozialen Medien finden kann?

 

Instagram   Markus Braun Loonybarz  (The Old Fuck)

 

Facebook     Markus Braun

 

Ein großes Dankeschön für das coole Interview mit dir! Ich denke, du inspirierst und motivierst enorm viele Menschen da draussen! Wenn ich ab jetzt die Ausrede höre, dass jemand zu alt für den Sport ist, dann leite ich dieser Person kommentarlos dieses Interview weiter! 

 

Vielen Dank an dich lieber Leser, dass du das Interview gelesen hast. Wenn es dir gefallen hat, dann kannst du das gerne mit deinen Freunden teilen. Vielleicht ist ja der ein oder andere dabei, dem man die Ausrede mit dem Alter aus dem Kopf schlagen kann!

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Lars (Mittwoch, 27 März 2019 20:00)

    Hammer!!! Ein sehr inspirierendes Interview! Meinen Respekt an Markus Braun!!!

  • #2

    Guege (Donnerstag, 28 März 2019 21:16)

    Mit der Rechtschreibung hat man es hier offenbar nicht so.

  • #3

    Armand (Sonntag, 18 August 2019 22:42)

    Eindrücklich!
    Tja wenn man in jungen Jahren anfängt und praktisch immer Sport getrieben hat, sowie das Glück nie ernsthaft verletzt gewesen zu sein, dann kann man bis ins höhere Alter fit sein und so seine Lebensqualität verbessern.
    Doch wie sieht es aus, bei einem Bürogummi wie mich, der im Verlaufe seines Lebens nur ab und an mal Sport gemacht hat und jetzt (61, M) es nochmals wissen will?
    Ich bin damit einverstanden, dass man nie zu alt ist, doch muss man halt schon relativiren und einsehen, dass man in diesem Alter nicht mehr die Flexibilität hat und einiges, über Jahrzehnte an verkürzten Muskeln, Sehnen, Bänder vorhanden sind. Trotzdem habe ich mir zum Ziel gesetzt meine Fitness, Kondition, Koordination, Kraft und Beweglichkeit zu verbessern, jedoch nicht um an Wettkämpfen oder in einem Verein dabei zu sein, sondern einfach so für mich.
    Calisthenic habe ich übers Netz kennengelernt und war davon begeistert.... Ob ich das einte oder andere hinbekomme? Auf jedenfall bin ich im Moment sehr motiviert, jedoch auch vernünftig genug, so meine ich wenigstens und habe mir zum vorerst sportlichen Ziel gesetzt, dass ich A) Liegestützen erlernen möchte, B) dann Klimmzüge und C) den Handstand. Falls ich diese 3, wie nennt Ihr Jungen dies, Moves?, wirklich erlernt habe, dann bin ich absolut zufrieden und denke eine tolle körperliche Fitness antrainiert zu haben, die mir viel ganzheitliche Stabilität in mein Leben bringen wird auch vorbeugend für die im Alter auftretenden Beschwerden. Vor 6 Wochen habe ich mit Flex's Handle your Body Level-1 Kurs angefangen, das mich enorm fordert, vor allem der Conditioning Teil, doch ich bin dankbar, schon 6 Wochen geschafft zu haben, ich komme immer näher zu meinem Ziel A). Im Moment schaff ich zwar noch keine echte Liegestütze, doch mit Willen, Ausdauer, Konzentration und dem richtigen Trainingsplan komme ich immer näher und falls es nach den 8 Wochen noch nicht für, sagen wir mal 5 echte, Basic-Liegestützen reichen sollte, dann werde ich den Level-1 sogar wiederholen..
    Ich lebe nicht für das Training, doch das Training kann mir helfen, einfacher durch das Leben zu kommen. Ich trainiere nicht für Anerkennung, jedoch durch das Training wertschätze ich Gottes wunderbares Werk. Das Training sollte nicht einseitig werden, denn wir sind vielseitig, bestehend aus Körper, Geist und Seele......Deshalb ist es auch wichtig die Zeit richtig, vernünftig einzuteilen die man zur Verfügung hat und so viel, neben Beruf, Arbeit sonstige Verpflichtungen, Schlaf und Mahlzeiten hat man nicht wirklich.

    Viele Grüsse aus der Schweiz