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Bist du zu alt für Calisthenics? | Gastbeitrag von Constantin Einzmann

warum Calisthenics der richtige Sport für alle Altersgruppen ist

 

 

Du hast bestimmt schon diese ganzen Freaks auf YouTube, Facebook, Instagram oder im

Park um die Ecke gesehen, die Bewegungen und Halteübungen ausführen, als wären wir

nicht auf der Erde, sondern auf dem Mond - Herzlich Willkommen im Calistehnics!

 

Dieser Sport ist wirklich atemberaubend, inspirierend spornt an, selbst das Beste zu geben.

Wenn man in die sozialen Medien schaut gibt es scheinbar eine Unzahl an Athleten, die

Klimmzüge mit einem Arm schaffen, Liegestütze machen ohne die Beine zu benutzen und

Übungen wo man sich fragt, wie zum Teufel man sowas Bitteschön hinbekommt. Dabei sieht

es auch immer noch so verdammt einfach aus.

 

In solchen Momenten wünschst du dir nichts sehnlicher, als selbst so fit zu sein wie die Jungs

auf YouTube etc. Du malst dir aus wie gut du dich fühlen würdest und was andere von dir

halten würden, wenn DU eine menschliche Flagge selbst könntest.

Doch urplötzlich ist sie wieder da - diese furchtbar ehrliche Stimme in deinem Hinterkopf, die

deiner Träumerei jedes Mal ein jähes Ende setzt, indem sie leise in dein Ohr flüstert:

 

„Das wirst du nie können, um so gut zu werden hättest du doch

als kleines Kind schon damit anfangen müssen, du bist viel zu alt dafür!“

 

Damit wäre dann auch alles gesagt. Der Traum ist geplatzt und der Film in deinem Kopf, in

dem du Handstandliegestütze, die Human Flag, den Frontlever oder Muscle Ups machst, als

wäre es ein Kinderspiel, reißt ab als hätte jemand den Filmstreifen im Kino zerschnitten …

Du beschließt der Realität ins Auge zu blicken und denkst dir, dass du dich wohl oder übel

damit abfinden musst, dass du zu alt bist um so etwas zu erreichen. Calisthenics ist vermutlich

nichts für dich und du gehst lieber weiter (wenn überhaupt) in ein Fitnessstudio, wo du mit

Geräten trainieren kannst, die auf dich und deine Bedürfnisse abgestimmt sind.

Du bist NIE zu alt für Calisthenics!

 

Dass es so viele Menschen gibt, die genau auf diese Art und Weise denken ist für mich

persönlich oft sehr ernüchternd und niederschmetternd. Was wäre diese Welt für ein

inspirierender Ort, wenn keiner mehr denken müsste, er könne seine Ziele nicht erreichen?

Zugegebenermaßen - natürlich gibt es physikalische und biologische Grenzen, die nicht

überschritten werden können. Arnold Schwarzenegger zum Beispiel wird wohl nicht mehr

Mister Olympia werden, soviel steht fest.

 

Aber ist das ein Grund sich entmutigen zu lassen? Macht Arnie zur Zeit den Eindruck, als

wäre er der traurigste Mensch auf Erden weil sein Bizeps nie wieder einen Umfang von 48

Zentimetern haben wird? Ich glaube nicht. Und ich glaube auch nicht, dass DU diese

physikalischen und biologischen Grenzen schon erreicht hast - ansonsten würdest du nicht

hier sitzen und diesen Artikel lesen!

 

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das Potential eines jeden einzelnen Menschen

unermesslich ist und dass jeder das Zeug dazu hat, alles zu erreichen was er sich vornimmt -

ganz egal wie irrsinnig, abwegig, verrückt oder unrealistisch dieses Ziel auch sein mag. Und

auch wenn du es mir jetzt nicht glaubst, ich bin davon überzeugt, dass auch DU Dinge

schaffen kannst, die du dir in deinen kühnsten Träumen nicht hättest vorstellen können!

Warum denke ich, dass es eine Lüge ist, dass man als Kind schon mit etwas anfangen

muss, damit man wirklich gut darin werden kann…

 

Zuerst einmal bin ich ein lebendes Beispiel dafür, dass das nicht stimmt.

Bis ich ungefähr zwanzig Jahre alt war habe ich noch nie einen Fuß in ein Fitnessstudio

gesetzt und mit dem Calisthenics Sport habe ich erst mit ca. 23 Jahren begonnen. In der

Schule habe ich mich im Sportunterricht immer schlecht und völlig fehl am Platz gefühlt, da

ich in allen Bereichen mit Abstand der Unfähigste war. Heute hat sich meine Denkweise und

mein Mindset stark gewandelt und ich sehe Calisthenics und noch Allgemeiner, das

Beherrschen meines eigenen Körpers als einen integralen Bestandteil meines Lebens und ich

könnte mir mich selbst nicht mehr ohne diesen Sport vorstellen.

Aber genug zu mir.

 

Wenn du schon über vierzig bist und das liest, dann denkst du dir möglicherweise Folgendes:

 

Naja Kollege, du hast mit 23 angefangen, da warst du in deinen besten Jahren. Ich hingegen könnte dein Vater sein und bei mir ist das alles wohl nicht mehr so easy wie du dir das vorstellst!

 

…womit du völlig Recht hast und der Punkt geht klar an dich. Ich möchte dir aber Folgendes

zum Bedenken geben:

 

Der stete Tropfen höhlt den Stein!

Nehmen wir mal an du bist 45 Jahre alt und an deinem Körper sind alle Gliedmaßen noch

dran und sie erfüllen im Großen und Ganzen auch die für sie bestimmte Funktion. Nehmen

wir weiterhin an, du hast noch nie einen Fuß auf einen Calisthenics Park, in ein Gym oder

eine Turnhalle gesetzt - du bist ein absoluter Anfänger und dein athletisches Niveau ist

ungefähr fünf Meter unterhalb des Meeresspiegels.

 

Was ist der Unterschied zwischen dir und einem Fünfundzwanzigj.hrigen, der schon seit er

fünf Jahre alt ist trainiert? Richtig - du bist zwanzig Jahr älter und an dir ist viel mehr kaputt

als an dem Kollegen, mit dem ich dich gerade vergleiche, worüber reden wir hier eigentlich?

Lies noch ein paar Zeilen weiter und du wirst sehen worauf ich hinaus will.

Es gibt noch einen anderen Unterschied zwischen euch und dieser Unterschied ist meiner

Meinung nach viel entscheidender, viel interessanter und weitaus motivierender als die

zwanzig Jahre die zwischen euch liegen.

 

Und zwar spreche ich von den anderen zwanzig Jahren. Zwanzig Jahre die der Athlet in sich

selbst, seinen Körper und seine persönliche Weiterentwicklung investiert hat, durch unzählige

Trainingsstunden, Schweiß, mit Sicherheit auch mit der einen oder anderen Träne,

Verletzungen, Fehlschlägen, Rückschritten, Niederlagen und Frustrationen - alles

unabdingbar notwendige Dinge die zum Erfolg führen.

Stell dir vor du würdest ab heute anfangen und drei mal pro Woche 90 Minuten Calisthenics

trainieren - und das für die nächsten zwanzig Jahre. Hier eine einfache Rechnung:

 

20 Jahre x 52 Wochen x 3 Workouts pro Woche x 1,5 Stunden = 4680 Stunden

 

Wo denkst du, wärst du wenn du das durchziehst und nicht vom Pfad abkommst? Welche

unglaublichen Fähigkeiten könntest du in fast 5000 Stunden erlernen? Was für eine

Transformation würde dein Körper durchmachen wenn du dich noch heute dazu entschließt,

diese Reise zu beginnen? Wie dankbar wärst du dir selbst in zwanzig Jahren wenn du diese

Entscheidung heute treffen würdest?

 

Hier ist noch eine einfache Rechnung:

 

7 Tage/Woche x 24h/Tag = 168h

 

Rechnen wir mal mit 2,5h pro Workout wenn man Anfahrt und Körperhygiene noch mit

einbezieht

 

= 2,5h x 3 = 7,5h

 

Das sind umgerechnet 4,46% deiner dir zur Verfügung stehenden Zeit.

Sind dir dein Körper, deine Fitness, dein Erscheinungsbild, deine Gesundheit und dein

Selbstbild es wert, diese Zeit zu investieren?

 

Es ist völlig irrelevant wo in deinem Leben du gerade stehst, wie alt du bist, wie viel du wiegst

oder wie unsportlich du bist. Wenn du bereit bist, diese Zeit in dich selbst zu investieren wirst

du mehr erreichen als du dir träumen lässt!

 

 

 

Wie funktioniert es, dass Jeder Calisthenics machen kann?

 

Du fragst dich jetzt vielleicht „Das ist ja alles schön und gut - aber ich kann noch nicht mal eine

Liegestütze, wie soll ich denn Calisthenics machen wo es um Menschliche Flaggen und Übungen geht, die

eigentlich nur Freaks schaffen?“.

 

Da wären wir wieder bei dem Punkt mit den 5000 Stunden. Wenn du gerade komplett bei Null

bist, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass du es im nächsten halben Jahr schaffst, die

Flagge zu lernen - da bin ich ganz ehrlich. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass wenn du

dich darauf einlässt, alles Nötige tust und das über einen längeren Zeitraum ohne die

Motivation zu verlieren, dann wirst du am Ende siegen. Für jede noch so schwierige Übung

gibt es eine passende Progressionsstufe, die auf den jeweiligen Könnensstand abgestimmt ist

und man kommt mit kleinen aber stetigen Schritten zum Ziel. Wenn du zum Beispiel noch

keine Liegestütze schaffst, dann mach sie auf den Knien. Wenn das auch noch nicht klappt,

dann versuch den Winkel deines Körpers zu ändern, indem du sie beispielsweise an einer

Treppe machst. Wenn du noch keine Klimmzüge schaffst, dann besorg dir ein Gummiband,

das die Bewegung unterstützt und einfacher macht. Für alle Übungen - auch die scheinbar

unmöglichen - gibt es solche Progressionen. Ein guter Trainer kann dir ganz genau sagen,

was für dich in deiner momentanen Situation das Richtige ist.

 

Bist du jetzt motiviert für Calisthenics und willst gleich loslegen? Gut!

Dann habe ich hier noch ein paar Tips, die mir persönlich weiterhelfen und auf die ich mich

selbst immer wieder von Neuem aufmerksam machen muss:

 

1.Sieh diesen Sport als einen lebenslangen Prozess und einen neuen Lifestyle den du lebst

und in vollen Zügen genießt. Du darfst dich nicht darauf verbeißen, ob du heute das eine

oder andere schon kannst oder nicht - bleib einfach dran!

 

2.Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen - das ist Gift für dein Selbstwertgefühl und

deine Motivation. Jeder steht an einer anderen Stelle, hat andere Erfahrungen und andere

Voraussetzungen. Wo besteht der Sinn darin, sich mit jemandem zu vergleichen, der

etwas schon seit seiner Kindheit macht, wenn man selbst gerade erst damit anfängt? Man

steigt ja auch nicht gleich mit Klitschko in den Ring wenn man seinen allerersten

Boxkampf hat, oder? Der größte Gegner ist die Person, die einen im Spiegel anschaut!

Schaffst du es, sie zu besiegen und jeden Tag besser zu werden als der, der du gestern

warst?

 

3.Definiere genau, was du erreicht haben willst und was deine persönlichen Ziele sind. Nur

so wirst du auch Wege finden, am Ende anzukommen. Hast du das gemacht, dann mach

dir Pläne, schreib dir auf was du tust, geh mit Hirn und Verstand an die Sachen und du

wirst dir sehr viel Ärger, Verletzungen, vergeudete Zeit und Frust ersparen!

 

4.Lass dir helfen, du kannst nicht alles alleine auf Anhieb wissen. Ein guter Trainer versteht

was du brauchst, was dich motiviert, wie du tickst und was deine Stärken und Schwächen,

sowohl physisch als auch mental sind. Felix Städele kenne ich schon seit einer sehr langen

Zeit und ich bin mir absolut sicher, dass du bei ihm gut aufgehoben bist und genau die

Hilfe bekommen wirst, die du brauchst und die dich von A nach B mit dem Calisthenics

bringt.

 

Vielen Dank fürs Lesen und ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg. Ich hoffe,

dass du Calisthenics auch für dich entdecken kannst und mit diesem Sport die gleichen

unzähligen positiven Erfahrungen genießen kannst wie ich - und das egal in welchem Alter.

Denke daran, dass Erfolg immer die Summe richtiger und oftmals schwieriger

Entscheidungen ist, gerade wenn du dir mal wieder denkst du wärst zu alt um etwas zu

erreichen oder für das nächste Training die Motivation fehlt.

 

A goals is a dream with a deadline

- Napoleon Hill -

 

Über den Verfasser:

Mein Name ist Constantin Einzmann und ich bin leidenschaftlicher Athlet und betreibe Calisthenics schon seit mehreren Jahren. Ich bin aus Augsburg und Gründer der ShredFactory, einer Gitarrenschule, die

ihre Schülern systematisch und zuverlässig zum musikalischen Erfolg führt. Instagram: @consti_zamreissen 

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Kommentare: 2
  • #1

    Stefan (Donnerstag, 14 März 2019 16:04)

    Hey Constantin,
    ein toller Beitrag! Ich wurde in meinem Leben schon oft gefragt, warum ich scheinbar so viele Dinge so gut beherrsche oder warum mir so viele Fertigkeiten scheinbar leicht von der Hand gehen? (Mehrere verschiedene Musikinstrumente, verschiedene Sportarten, mehrere Sprachen, eine breite Allgemein- und fachspezifische Bildung uvm.) Meine Antwort darauf ist immer: "Hast Du eine Ahnung, wie viel Lebenszeit ich jeweils damit verbracht und investiert habe, um das zu lernen, was ich heute kann bzw. weiß?" Und mein Gitarrenlehrer sagte oft: "Gitarre ist ein wunderschönes Instrument. Aber die ersten 20 Jahre sind hart..."

    Der Mensch ist ein selbstlernendes und sich ständig auf äußere Umstände anpassendes System. Ich bin gerade 40 geworden. Und ich habe vor einem halben Jahr angefangen mit Felix zu trainieren: Bei Null! Und in 2 Jahren werden wir sehen, wo ich stehe: Ziemlich sicher auf den Händen! Und spätestens dann wird es einen Gastbeitrag von mir geben. Versprochen!

  • #2

    Consti (Freitag, 15 März 2019 08:53)

    Stefan!

    Glückwunsch zu der Entscheidung mit Flex zu arbeiten - er ist ein super Typ und so wie ich das einschätze von dem was ich von dir lese bist du bei ihm bestens aufgehoben :-)

    Ich glaube wir haben was viele Dinge angeht die selbe Sichtweise - danke für dein nettes Feedback!
    Vielleicht trifft man sich ja mal in München im Park :-)

    Lg,
    Consti